Jedes Kind ist anders. Und deshalb lernt jedes Kind auch auf eine andere Art und Weise. Manch kleines Gehirn merkt sich Inhalte besser, wenn es sie vor sich sieht. Andere beim Hören oder Anfassen. Freilich würden Sie nun gern wissen, welcher Lerntyp Ihr Kind ist, so dass das Lernen zukünftig ein bisschen besser klappt.
Es haben sich 4 Lerntypen herauskristallisiert, die die persönliche Präferenz Ihres Kindes gut beschreiben und Sie als Eltern dabei unterstützen können, die richtige Lernmethode zu finden. Doch wo liegen die Unterschiede? Lässt sich Ihr Kind tatsächlich lediglich einem Lerntyp zuordnen? All das und viele praktische Tipps erfahren Sie in diesem Lerntypen-Ratgeber.
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Was wissenschaftliche Studien zur Theorie der 4 Lerntypen sagen
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Tests und Beobachtungstipps zum Erkennen des dominierenden Lerntyps Ihres Kindes

Dr. Silvia H. Droemer Geschäftsführerin einsundzwei.de
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Die 4 klassischen Lerntypen im Überblick
Die Idee des Lerntyps ist, dass Kinder Informationen über unterschiedliche Sinne aufnehmen. Einerseits sind Kombinationen möglich, andererseits dominiert ein Lernstil. Vielleicht finden Sie in einem oder mehreren der 4 klassischen Lerntypen Ihr Kind wieder.
Visueller Lerntyp: Lernen durch Sehen
Wer visuell lernt, behält vor allem Bilder, Diagramme und Farben gut im Gedächtnis. Solche Kinder zeichnen oft sehr gern und erinnern sich an zahlreiche visuelle Details. Insofern kann es visuellen Lerntypen helfen, Mindmaps, Infografiken und bunte Karten oder Notizen beim Pauken einzusetzen.
Auditiver Lerntyp: Lernen durch Hören
Auditive Kinder lernen am besten durch Vorlesen, Lieder oder Diskussionen. Oft wiederholen sie Inhalte laut. Auch Reime merken sie sich sehr gut. Als Hilfsmittel beim Lernen eignen sich Hörbücher oder Podcasts.
Motorischer (haptischer) Lerntyp: Lernen durch Fühlen und Bewegung
Motorische Lerner brauchen Action. Sie lernen am besten, wenn sie basteln oder Experimente ausführen dürfen. Auch fällt es ihnen oft leichter, sich Dinge im Stehen zu merken und Objekte anzufassen oder zu bewegen. Kurze, handlungsorientierte Übungen passen am besten zum motorischen Lerntyp.
Kommunikativer Lerntyp: Lernen durch Sprechen und Austausch
Kommunikative Kinder lernen gut, wenn Ihnen etwas erklärt wird oder wenn sie Teil von Gruppendiskussionen sind. Sie festigen ihr Wissen besser, indem sie es anderen beibringen dürfen. Insofern lernen diese Kids prima mit Rollenspielen oder Partnerarbeit.
Was wissenschaftliche Studien zur Theorie der 4 Lerntypen sagen
In der Pädagogik ist die Lerntypen-Theorie weit verbreitet. Doch was sagt die Wissenschaft dazu? Zahlreiche Studien haben die Idee untersucht, ob Kinder wirklich streng einem Lerntyp folgen und ob eine Anpassung des Lernstoffs daran den Erfolg steigert. Maike Looß hat in ihrer wegweisenden Studie (2001) allerdings herausgefunden, dass die Zuordnung zu lediglich einem einzelnen Lerntyp wenig Aussagekraft hat. So verarbeiten Kinder Inhalte sehr vielseitig und über verschiedene Sinne. Außerdem kommt es immer auf das Thema und seine Komplexität an. So kann eine starre Zuordnung zu lediglich einem Lerntyp das Lernen sogar einschränken. Warum? Schlichtweg, weil die anderen Kanäle oder Sinne nicht berücksichtigt werden. Der Mensch ist nun einmal ein ganzheitliches Wesen und funktioniert sehr komplex.
Neuere Forschungen, zum Beispiel von Beth Rogowsky et al. (2015), testeten explizit, ob auditive Lerner besser von Hörtexten profitieren als visuelle von Bildern. Das Resultat dabei: Es gibt keinen, zumindest signifikanten, Unterschied. Stattdessen half multisensorisches Lernen allen Gruppen gleichermaßen. Auch das Gehirn-Magazin fasst zusammen, dass keine neurobiologischen Belege für feste Lerntypen existieren. So nutzt unser plastisches Gehirn alle verfügbaren Kanäle flexibel.
Das sollte Sie als motivierte Eltern jedoch nicht davon abhalten, die unterschiedlichen Methoden der jeweiligen Lerntypen auszuprobieren. Versuchen Sie eher eine Kombination. Wer weiß, welcher Mix bei Ihrem Kind zum Erfolg führt? Bei uns finden Sie zahlreiche Übungsblätter, die genau diese Flexibilität unterstützen, mit Musterlösungen zur Selbstkontrolle in nur 10-15 Minuten.
Warum die meisten Kinder mehrere Lerntypen kombinieren
Die Abgrenzung ist zwar zum Verständnis verschiedener Lernarten eine angenehme Kategorisierung. Doch die Zuordnung zu jeweils einem einzigen Lerntyp bildet bei Kindern eher die Ausnahme. Die meisten Kids sind sogenannte Mischtypen. Das heißt, sie nutzen intuitiv all ihre Sinne, um sich Inhalte besser zu merken. Von biologischer Seite aus betrachtet, ergibt das durchaus Sinn, denn das Gehirn arbeitet vernetzt. Sehen aktiviert visuelle Areale, Hören die auditorischen Zentren, Bewegung und Fühlen stärkt die Verknüpfungen im Gedächtnis. So entstehen mehr „Speicherpfade“, die den Stoff langfristig abrufbar machen.
Stellen Sie sich vor, Ihr Kind lernt für einen Mathematik-Test. Zahlen sind vielleicht besser vorstellbar in einem selbst entworfenen Diagramm, die Erklärung dazu könnte von Ihnen oder dem Nachhilfelehrer kommen. Motorisch könnte Ihr Kind Legosteine nutzen, um die Zahlen nachzubauen. Ein Geschwisterkind oder Schulfreund kann beim Erklären helfen. Vielleicht klappt solches Lernen „auf Augenhöhe“ besser als mit Mama oder Papa.
Diese Kombination verschiedener Sinneskanäle wird auch als multisensorisches Lernen bezeichnet. Sie kann die Merkfähigkeit Ihres Kindes deutlich verbessern und die Konzentration hochhalten. Studien zeigen, dass Kinder mit mehreren aktivierten Sinnen bis zu 20% besser abschneiden, weil die Frustration sinkt, während die Motivation steigt. Besonders bei komplexen Themen oder Lernschwierigkeiten kann sich das durchaus auszahlen.
Genau hier kommt Ihre Flexibilität als Elternteil ins Spiel. Statt Ihr Kind starr einem Lerntyp zuzuordnen, beobachten Sie vielleicht lieber, was bei welchem Fach am besten passt. Variieren Sie die Lernspiele, zum Beispiel mit einem Plakat basteln (visuell + motorisch), etwas vorlesen (auditiv) und oder während des Bastelns besprechen (kommunikativ). Unsere Übungsblätter können dabei helfen, schon in 10-15min.
Tests und Beobachtungstipps zum Erkennen des dominierenden Lerntyps Ihres Kindes
Nun, da Sie wissen, dass die meisten Kinder Mischtypen sind, stellen Sie sich vielleicht die Frage: Wie finde ich heraus, welcher Lerntyp bei Ihrem Kind am stärksten ausgeprägt ist? Das geht tatsächlich leichter als Sie es sich vorstellen. Komplizierte Psychotests oder Fachärzte braucht es dafür auch nicht.
Beobachten Sie Ihr Kind im Alltag und wie es spielt. Malt es stundenlang farbige Bilder (visuell)? Hängt es gebannt an Ihren Geschichten oder summt öfter Lieder vor sich hin (auditiv)? Ist es ständig in Bewegung, hantiert mit Gegenständen oder stellt sich beim Lernen gern hin (motorisch)? Redet es viel, erklärt alles ausführlich und blüht in Gesprächen auf (kommunikativ)? Diese Signale sind erste starke Hinweise. In einem einfachen Lern-Tagebuch notieren Sie sich am besten über eine Woche lang, bei welchen Aktivitäten Ihr Kind am längsten konzentriert bleibt und sich am besten erinnert.
Wenn Sie es konkreter angehen möchten, können Sie zuhause einen bewährten Wörter-Gedächtnistest durchführen, dem Klassiker unter den Lerntypentests. Der Test läuft über 4 separate Runden (idealerweise an verschiedenen Tagen), immer mit denselben 10 Wörtern, aber unterschiedlichen Präsentationsarten. Nach jeder Runde macht Ihr Kind eine kurze Störaufgabe (z. B. Einmaleins-Reihe aufsagen), um zu testen, was wirklich im Gedächtnis hängen bleibt. Notieren Sie die Anzahl gemerkter Wörter pro Runde. Was am besten bei Ihrem Kind funktioniert, zeigt den dominanten Lerntyp.
Beispiel-Wörter für alle Runden: Waschmaschine, Nadelwald, Schneemann, Wandtapete, Sommerurlaub, Fensterglas, Telefonhörer, Lederjacke, Wanderschuh, Fensterbank.
Runde 1: Auditiv (Hören)
Lesen Sie die 10 Wörter langsam vor, Ihr Kind hört nur zu und merkt sich so viele wie möglich. Direkt danach sagt es die 6er- oder 2er-Reihe des Einmaleins auf (ca. 30 Sekunden). Dann schreibt es auf, was es sich gemerkt hat. Viele richtige Wörter? Auditiver Lerntyp!
Runde 2: Visuell (Sehen)
Schreiben Sie die Wörter auf ein Blatt, Ihr Kind liest sie sich 1-2 Minuten leise durch. Drehen Sie das Blatt um, Einmaleins-Störaufgabe (z. B. 7er-Reihe), dann aufschreiben. Starkes Ergebnis? Visueller Lerntyp!
Runde 3: Motorisch (Fühlen/Schreiben)
Ihr Kind schreibt die Wörter zügig ab (ca. 1 Minute). Nehmen Sie das Blatt weg, Einmaleins (z. B. 4er- oder 5er-Reihe), dann die Wörter frei aufschreiben. Top-Ergebnis? Motorischer Lerntyp!
Runde 4: Kommunikativ (Sprechen/Verbinden)
Lesen Sie die Wörter vor. Ihr Kind erfindet daraufhin aus diesen Wörtern eine kurze Geschichte (1 Minute). Einmaleins-Störung (z. B. 9er-Reihe), dann Wörter notieren. Hohe Trefferquote? Kommunikativer Lerntyp!
Der Test dauert pro Runde nur 5 Minuten und eignet sich für Schüler ab Klasse 2. Kombinieren Sie die Tests mit Ihrer Alltagsbeobachtung und passen Sie das Lernen dementsprechend an.
Unsere Tipps für jeden Lerntyp
Nun kennen Sie den dominierenden Lerntyp Ihres Kindes oder erahnen ihn zumindest. Jetzt ist Zeit fürs Praktische. Wichtig dabei ist: Halten Sie die Einheiten mit 10-15min kurz, um die Konzentration beizubehalten.
Tipps für visuelle Lerner
Visuelle Kids blühen auf, wenn sie sich etwas anschauen und farbig gestalten dürfen. Nutzen Sie bei den Hausaufgaben folgende Hilfsmittel:
- bunte Mindmaps oder Karten mit Vokabeln oder Mathe-Reihen (jede Kategorie eine andere Farbe)
- Flashcards mit Bildern basteln – z. B. „Apfel“ als Foto mit dem ausgeschriebenen Wort daneben
- Notizen mit Highlightern markieren und an die Wand hängen
- Ihr Kind eigene Diagramme zu Textaufgaben zeichnen lassen
Tipps für auditive Lerner
Auditive Kinder lieben Klänge und Wiederholungen. Das können Sie nutzen.
- Lieder zu Einmaleins-Reihen erfinden oder Vokabeln rhythmisch vorsagen
- Hörbücher oder Erklärvideos zu Hausaufgaben hören
- gemeinsam laut vorlesen und Inhalte besprechen
- Ihr Kind ohne Druck eigene Zusammenfassungen machen lassen
Tipps für motorische Lerner
Motorische Kids gebrauchen Hände und genießen Bewegung, manchmal auch mit ordentlich Action.
- Vokabeln mit Gesten pantomimisch darstellen
- Lego für Rechenaufgaben nutzen
- Rechtschreibwörter beim Spazieren „in die Luft schreiben“
- z. B. Sand- oder Erdzeichnungen in der Natur erstellen
Tipps für kommunikative Lerner
Wenn Ihr Kind sehr kommunikativ ist, lernt es am besten durch Reden und Teilen.
- Gelerntes den Geschwistern oder Ihnen als Eltern erklären („Lehrer“ spielen lassen)
- spaßige Familien-Quizze mit Buzzer zum Lernstoff
- kleine Rollenspiele zu Geschichten oder Textaufgaben nachstellen
Häufige Fragen und Antworten zu Lerntypen
Was genau sind Lerntypen und warum gibt es verschiedene?
Ein bestimmter Lerntyp beschreibt, auf welche Weise Ihr Kind Informationen am besten aufnimmt, verarbeitet und behält. Es wird zwischen 4 Haupttypen unterschieden: dem visuellen Lerntyp (Lernen durch Sehen), den auditiven Lerntyp (durch Hören), den motorischen oder haptischen Lerntyp (durch Bewegung und Anfassen) sowie den kommunikativen Lerntyp (durch Sprechen und Austausch).
Kinder haben unterschiedliche Vorlieben, weil sie neurologisch individuell sind und verschiedene Stärken in der Informationsverarbeitung aufweisen. Diese Typisierung kann aber helfen, die richtige/n Lernmethode/n für Ihr Kind zu finden und das Lernen gezielter zu fördern.
Wie erkenne ich den Lerntyp meines Kindes am besten?
Der dominante Lerntyp Ihres Kindes zeigt sich oft bereits im Alltag. So malen visuelle Kinder gern und lang, auditive hören lieber aufmerksam zu oder summen vor sich hin, während motorische gerne in Bewegung sind und kommunikative es mögen, selbst zu erklären und den Austausch einfordern. Mit diesen Lernbeobachtungen sowie einfachen Wörter-Gedächtnistests und Online-Quizzen finden Sie am besten heraus, wie Ihr Kind „tickt“.
Können Kinder mehrere Lerntypen gleichzeitig haben?
Ja. Das ist sogar bei den meisten der Fall. So nutzen Kinder mehrere Sinne gleichzeitig, um Informationen aufzunehmen. Multisensorisches Lernen verbindet dabei visuelle, auditive, motorische und kommunikative Kanäle und verbessert das Verständnis und die Merkfähigkeit nachhaltig.
Wie kann ich mein Kind je nach Lerntyp am besten beim Lernen unterstützen?
- visueller Lerntyp: bunte Mindmaps, Diagramme, Bilder
- auditiver Lerntyp: Vorlesen, Hörbücher, Erklärvideos, laute Wiederholungen
- motorischer Lerntyp: Basteln, bewegtes Lernen, praktische Experimente
- kommunikativer Lerntyp: erklären lassen, Gruppendiskussionen, Rollenspiele
Fazit: Persönliche Förderung für besseres Lernen
Betrachten Sie die Lerntypen nicht als starres Korsett. Sie sind eher ein nützliches Werkzeug dafür, das Lernen Ihres Kindes spielerischer zu gestalten. Da die meisten Kinder Mischtypen sind, haben Sie vielfältige Möglichkeiten, die verschiedenen Ansätze auszuprobieren.
Bleiben Sie dabei flexibel. Beobachten Sie, wie Ihr Kind im Alltag am liebsten spielt. Testen Sie es mit dem Wörter-Gedächtnistest und variieren Sie die Methoden. So kann aus Frustration Freude am Lernen entstehen.
Dr. Silvia H. Droemer Geschäftsführerin einsundzwei.de
Unsere Expertin:
Silvia Droemer ist Gründerin der Lernplattform einsundzwei und seit über 20 Jahren in der professionellen Schülernachhilfe tätig. Die an den Lehrplan angelehnten und kindgerecht aufbereiteten Übungsmaterialien von einsundzwei werden von Grund- und weiterführenden Schulen genutzt, um die Aufgaben in Proben und Schulaufgaben einfließen zu lassen. Frau Droemer hat es sich mit der Nachhilfeplattform einsundzwei zum Ziel gesetzt, ihre Schüler optimal auf Schulaufgaben und das Übertrittszeugnis vorzubereiten. Frau Droemers Anliegen ist es, das Selbstvertrauen ihrer Schüler zu stärken, damit Schulaufgabenangst und schlechte Noten künftig der Vergangenheit angehören.
Das sagen unsere Kunden
vielen Dank für Ihre stets freundliche und rasche Unterstützung. Unsere Zwillinge sind in der 8. Klasse.
Meine Tochter meinte heute, dass sie unbedingt wieder mit einsundzwei lernen möchte :-)
Petra L.
My daughter loves it, claims its much more engaging than school :)
Nikola V.
Ich wollte Ihnen kurz Feedback geben über El... Schulaufgabe Aufsatz Gruselgeschichte; sie hat eine 2 bekommen. Das war eine super Leistung, da allgemein eher schlecht ausgefallen. El... hat gesagt, das ist weil sie den Kurs bei ihnen gemacht hat. :) Der hat ihr übrigens auch Spaß gemacht.
Silvia W.
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